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Freitag, 18 August 2017 10:30

LichtSmog - Weniger Früchte und Samen durch Lichtverschmutzung

geschrieben von
Lichtsmog Urheber: antartis / 123RF Lizenzfreie Bilder

Künstliches Licht stört nachtaktive Insekten.

Eine Studie der Universität Bern zeigt (Nature, 2017; doi: 10.1038/nature23288), dass Nachtfalter und andere nachtaktive Insekten vom Kunstlicht beschienene Pflanzen nachts viel seltener anfliegen als im Dunkeln stehende. Der Verlust der nächtaktiven Bestäubung kann nicht durch tagaktive Bestäuber kompensiert werden. Dadurch bilden betroffenen Pflanzen weniger Samen und Früchte aus.

Die künstliche Beleuchtung von Straßen, Gebäuden und Industrieanlagen stört weltweit den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Menschen, Tiere und Pflanzen erleben keine echte Dunkelheit mehr. Das hat Auswirkungen auf unsere biologischen Rhythmen. Bereits kleine Mengen künstliches Licht zur Nachtzeit stören unsere innere Uhr und können sich sogar negativ auf nächtliche Heilungsprozesse auswirken. Infekten, Krebs, Diabetes und ähnlichem stehen weniger Abwehr- und Reparaturressourcen entgegen. Nachtlicht macht Insekten und Zugvögel orientierungslos und gefährdet nachtaktive Tiere.

Die Wissenschaftler der Universität Bern haben Besorgniserregendes festgestellt: "Da in Regionen mit großer Lichtverschmutzung lichtempfindliche Insekten möglicherweise bereits verschwunden sind, sind wir in die noch relativ dunklen Voralpen ausgewichen", erzählt Knop.

Die Forscher haben insgesamt 14 unbewirtschafteten Flächen ausgewertet. Auf der Hälfte der Flächen haben sie LED-Lampen aufgestellt, die in der Schweiz standardmäßig für die öffentliche Straßenbeleuchtung eingesetzt werden. Das Ergebnis: Auf den sieben dunklen Flächen herrschte nachts an den Blüten reges Treiben. Auf den beleuchteten Flächen ging es nachts deutlich ruhiger zu (62% weniger). Die bei nachtaktiven Bestäubern beliebte Kohldistel bspw. büßte durch das künstliche Licht pro Pflanze im Schnitt dreizehn Prozent an Früchten ein. Die Studie zeigte, dass die beleuchteten sieben Flächen sogar von tagaktiven Insekten vermieden wurde.

Bisher steht die Biene in Sachen Bestäubung stes im Vordergrund: "Nachtaktive Blütenbesucher wurden von der Forschung in der Diskussion um die bekannte weltweite Bestäuberkrise bisher vernachlässigt", sagt Eva Knop von der Universität Bern.

 

 
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